Radweg Schulstraße – ein Kardinalfehler wiederholt sich

Neben der Kombination von Mindestmaßen gibt es einen weiteren Kardinalfehler bei der Anlage von Radwegen auf dem Hochbord:

Als absolute  Zweckverfehlung kann ein krasses Missverhältnis zwischen Radweg und Fußweg angesehen werden.

Ein Missverhältnis herrscht immer dann, wenn ein überbreiter Fußweg neben einem viel zu schmalen Radweg liegt, oder umgekehrt ein ausreichend breiter Radweg angelegt wird, dafür aber nicht genügend Platz für einen sicheren und komfortablen Fußverkehr gelassen wird.

Als Mindestmaß für einen Gehweg wird im allgemeinen erwartet, dass zwei entgegenkommende Fußgänger ohne Ausweichen  einander passieren können. Denn immer dann, wenn auf andere Verkehrsflächen ausgewichen werden muss, sei es auf den  Radweg oder gar die Fahrbahn, sind Konflikte und Gefahren vorprogrammiert!

Klarstellen möchten wir aber, dass wir bei der Beurteilung auf keinen Fall Mindestanforderungen zu Grunde legen möchten: Denn breite Seitenräume bedeuten Lebensqualität und Aufenthaltsqualität.

  • Es muss möglich sein, auch einmal als Paar nebeneinander auf dem Gehweg gehen zu können!
  • Kinder müssen dort sicher sein.
  • Ausreichend Platz für Kinderwagen, Rollstühle und Gehilfen muss in jedem Fall gewährleistet sein!

Gerade  als Radfahrervertretung  sehen wir in Straßen Orte, die nicht nur der reinen Fortbewegung dienen, sondern Raum zum Leben und zum Verweilen bieten sollen! Dies ist ein entscheidendes Kriterium für die Attraktivität einer Stadt!

Und wenn dies bedeutet, dass ein Radweg mal etwas schmaler ausfällt, oder gar ganz darauf verzichtet wird, dann ist dies besser so.

Ein Fahrrad gilt nach der Straßenverkehrsordnung als Fahrzeug, welches im Regelfall eh auf die Fahrbahn gehört, wo es besser und sicherer aufgehoben ist. Als Radfahrer hat man meistens die Option, auf der Fahrbahn sicher und komfortabel unterwegs zu sein. Der Fußgänger hat diese Ausweichmöglichkeit nicht. Die Erfahrung zeigt: Ob unbeabsichtigt oder absichtlich – von den Verkehrsteilnehmern wird der Raum in Anspruch genommen, der benötigt wird. Scheinbar breitere und komfortablere Radwege  ohne dass tatsächlich mehr Platz geschaffen wurde, nützen niemandem und verschlimmern nur. Wenn lediglich durch Vortäuschung falscher Verhältnisse Scheinsicherheiten geschaffen werden oder Schuldfragen verschoben werden, kann dies nicht die Lösung sein!

Fußgänger, die plötzlich auf den Radweg treten weil auf dem Gehweg zu wenig Platz ist, können wir als Radfahrer am Wenigsten gebrauchen!

Gerade der Fall, dass eine relativ breiter Radweg angelegt wird, ohne dass ausreichend Platz vorhanden ist, und man den benötgten Raum einfach bei den Fußgängern „abzweigt“, wurde aber in Elmshorn sehr oft praktiziert. Sei es zur Aktivierung von Fördermitteln oder Zuschüssen für „Radverkehrsanlagen“, zur Schaffung von Mindestbreiten für Benutzungspflichten, oder aus Gründen von falsch verstandener „Radverkehrsförderung“… – wir wissen es nicht. Dass die Stadt aber unter den Folgen dieser Planung leidet, und das dies Täglich Gefahrensituationen und Konflikte schafft, können wir aber eindeutig bestätigen!

Man muss nur einmal  an einem Markttag durch die Straße „Vormstegen“ fahren oder zu fast jeder Zeit durch die „Berliner Straße“ auf Höhe der Bushaltestellen gegenüber der Post, man wird sofort feststellen: Während dem Radfahrer durch einigermaßen breite Wege  noch genügend Platz zugestanden wird, ist für Fußgänger überhaupt kein Raum mehr vorhanden! Man kann sich als Fußgänger weder frei noch sicher bewegen und fühlt sich völlig eingeengt. Als Familie mit einem Kinderwagen ist die Situation einfach nur noch unzumutbar!

Der ADFC Elmshorn hat auf dieses Mißverhältnis immer hingewiesen, und klar gestellt, dass er solche Baumaßnahmen und Verkehrsplanungen auf Kosten der Fußgänger weder befürwortet noch duldet!

Um so erschreckender ist es nun für uns, festzustellen, dass auch bei neuen Bauprojekten, wie der Neuverlegung des Radweges in der Schulstraße, wieder so vorgegangen wird.

Ohne vernünftigen Grund wurde der Radweg so verbreitert, dass der Gehweg zu einem kläglichem Reststreifen verkommt. Obwohl es sich um einen benutzungspflichtigen Zweirichtungsradweg handelt, der innerorts eigentlich eh möglichst vermieden werden sollte, weil er ein erhöhtes Gefahrenpotential bietet, und für den es sogar besonders vorgeschrieben ist dass „ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen.“ Taktile Elemente zwischen Gehweg und Radweg, die in der Vergangenheit angelegt wurden um Sicherheit zu schaffen, wurden ersatzlos wieder entfernt. Anstatt einmal die in diesem Straßenabschnitt völlig konzeptlose Benutzungspflicht zu überdenken, oder das Konzept des Zweirichtungsradweges zu hinterfragen, wurde durch die Baumaßnahme ein schwieriger Bereich unnötigerweise noch verschärft.

(Raphael Haugwitz, ADFC Elmshorn)

Presseerklärung und Infos zu Maßnahme: http://www.adfc-elmshorn.de/schulstrasse-radwegesanierung-zu-lasten-des-fussgaengerverkehrs/

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